Studierende der Universität Bamberg im Dialog mit der Bürgerinitiative #gegenReede2.0
Austausch zu geplanten Maßnahmen am Mittelrhein
Im Rahmen einer Exkursion beschäftigten sich Studierende des Masterstudiengangs für Denkmalpflege am Institut für Archäologische Wissenschaften, Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte (IADK) der Otto-Friedrich-Universität Bamberg mit der Kulturlandschaft des Mittelrheintals und Aspekten des Welterbes. Dabei erkundete die Gruppe den Abschnitt zwischen Boppard und Bacharach auch mit dem Rad. In Bad Salzig trafen die Studierenden mit Vertretern der Bürgerinitiative #gegenReede2.0 zusammen, die sich gegen Ausbauvorhaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) entlang des Rheinufers engagiert.

Im Fokus des fachlichen Austauschs stand die geplante Umgestaltung der Reede bei Bad Salzig und deren Auswirkungen auf die charakteristischen Sichtbeziehungen im Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal – insbesondere auf den Blick von der linksrheinischen Ortslage Bad Salzig auf das kulturhistorisch bedeutende Ensemble aus Burg Sterrenberg, Burg Liebenstein und dem Franziskanerkloster Bornhofen auf der gegenüberliegenden Rheinseite. Diese Sichtachsen gelten als identitätsstiftend für die Region und sind fester Bestandteil der gewachsenen Kulturlandschaft.

Im Gespräch mit der Bürgerinitiative diskutierten die Studierenden insbesondere die rechtlichen und planerischen Rahmenbedingungen, unter denen ein Stopp des Vorhabens oder die Entwicklung verträglicherer Alternativen möglich wäre. Die Vertreter von #gegenReede2.0 erläuterten die Auswirkungen der ursprünglichen Planung der WSV, die nach Einschätzung vieler Beteiligter aufgrund ihrer Dimensionierung zu erheblichen Eingriffen in Eigentumsrechte geführt hätte – ein Aspekt, der mögliche Feststellungsklagen ausgelöst und die Planer zur Überarbeitung veranlasst habe. Auch das Verbandsklagerecht denkmalpflegerischer Organisationen wie dem Rheinischen Verein wurde in diesem Zusammenhang thematisiert.
Die ursprüngliche Planung hatte die WSV in internen Gesprächen selbst als überdimensioniert eingestuft. Zwar wurde 2022 eine Alternativvariante vorgestellt, doch auch diese gilt aus Sicht der Initiative bislang als mit dem UNESCO-Welterbestatus unvereinbar. Die im Rahmen des Monitorings erstellten fotorealistischen Visualisierungen wurden dem Welterbe-Beirat im Frühjahr 2024 präsentiert, führten jedoch nach Einschätzung der Beteiligten bislang nicht zu einer konsensfähigen Lösung. Auch die UNESCO selbst hat sich bislang nicht öffentlich positioniert.
Die Studierenden zeigten großes Interesse an den Wechselwirkungen zwischen Denkmalpflege, Bürgerengagement und Planungsrecht. Der Austausch wurde von beiden Seiten als fachlich wertvoll und impulsgebend für die zukünftige Entwicklung im Spannungsfeld zwischen Kulturgutschutz und moderner Infrastruktur gewertet.